Spendenbutton

Kinderarbeit in Österreich?

      Kinderarbeit ist nicht nur ein Phänomen weit entfernter Länder, auch in Österreich war Kinderarbeit bis vor einigen Jahrzehnten noch durchaus üblich. Eine besondere Form der Kinderarbeit war das „Schwabengehen“, das in Österreich zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert Kinder aus Vorarlberg und Tirol betraf.

      Die so genannten „Schwabenkinder“ wanderten jedes Jahr im März aus ihren Heimatdörfern zu Fuß nach Oberschwaben, wo sie den Bauern für einen geringen Lohn bei der anfallenden Arbeit auf ihren Höfen halfen. Sie wurden in einfachen unbeheizten Kammern gemeinsam mit dem restlichen Gesinde untergebracht und mussten täglich mehr als zwölf Stunden arbeiten.

      Zu ihren Aufgaben gehörte Vieh hüten genauso wie Futter holen, aus- misten oder Kartoffeln schälen. Außerdem waren sie oft dafür zuständig Kühe zu melken, die Milch zu entrahmen und in die Sennerei zu bringen. Mädchen mussten zusätzlich in der Küche helfen. An Sonntagen mussten die Schwabenkinder nicht arbeiten – sie hatten die Gelegenheit zur Kirche zu gehen und besuchten im Normalfall anschließend an die Messe die Christenlehre.

      Meist kehrten die Schwabenkinder erst im November wieder nach Hause zurück. Die Schule konnten sie nur in den Wintermonaten, die sie zu Hause verbrachten, besuchen.

      Die Ursachen

        Genau wie heute war auch in Zeiten des Schwabengehens Armut die Hauptursache für Kinderarbeit. Die meisten Schwabenkinder stammten aus kinderreichen Familien, die kleine, wenig ertragreiche Höfe bewirtschafteten. Die Kleinteiligkeit der Höfe ist aufgrund des gängigen Erbrechts, der sog. Realteilung, entstanden. r die Bauernfamilien war jeder Esser weniger eine große Erleichterung und so verwundert es nicht, dass in Spitzenzeiten bis zu 700 Kinder allein aus dem Montafon zu den Hütekindermärkten in Oberschwaben wanderten um sich dort an Bauern zu verdingen.

        Die Folgen

          Schon der Weg über den oft noch tief verschneiten Arlberg war anstrengend und gefährlich. Die Kinder waren schlecht ausgerüstet, oft kam es zu Erfrierungen. Endlich angekommen, mussten die Kinder schwere körperliche Arbeiten verrichten und litten oft unter Schlafmangel und Heim- weh. Manche Kinder freuten sich zwar im Sommer in Oberschwaben arbeiten zu dürfen, weil sie bei den reichen Bauern manchmal besser verköstigt wurden als das zu Hause möglich war, viele bekamen aber auch schlechte Kost oder wurden von den Knechten geschlagen. Es kam speziell bei Mädchen vor, dass sie Opfer sexueller Gewalt wurden. Die Schule besuchten sie trotz allgemeiner Schulpflicht seit 1774 nur im Winter. Es war relativ einfach eine Dispens, also eine Befreiung vom Unterricht, für die Sommermonate zu bekommen. Nachdem die Schulen im Sommer menschenleer waren, mussten während dieser Zeit auch die Lehrer ihren Unterhalt als Handwerker verdienen.


          drucken  DRUCKEN     versenden  SEITE ALS MAIL VERSENDEN     spenden  JETZT SPENDEN