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Wer ist ein Schwabenkind?

    Schwabenkinder

      "Wahrhaftig ein wehmuterregender Anblick: diese Leute, und darunter meistens Kinder von 10 bis 16 Jahren, von wenigen Erwachsenen begleitet, jedes mit seinem Bündelchen auf dem Rücken, mit dem letzten, und zwar als Reisegeld kaum ausreichenden Sparpfennig ihrer Eltern, viele nicht einmal mit derjenigen Kleidung, die eine nur etwas rauhe Witterung erheischt, versehen, der älterlichen Heimat den Rücken kehrend, über die vaterländischen Gränzen in die Fremde, einer so prekären entgegen ziehen zu sehen! Diese armen Kinder, frisch und gesund wie die Luft, die sie seither einathmeten, froh und heiter wie der Himmel ihre jungen Tage begrüsste, wandern schaarenweise von den Hochgebirgen Rhätiens nach den Ebenen von Schwaben, um nur das Letzte und Äusserste ihrer Subsistenz – ihr bisschen Brod zu suchen und zu verdienen.“*

        Seit Beginn des 17. Jahrhunderts wurden Kinder und Jugendliche aus Tirol, Südtirol, Vorarlberg und der Schweiz ins Oberschwaben- land geschickt, um dort auf einem Bauernhof einen Sommer lang als Knechte oder Mägde zu arbeiten. Diese Kinder wurden umgangs- sprachlich als „Schwabenkinder“ bezeichnet.

        Jährlich sammelten sich im Frühjahr in den Dörfern Kinder im Alter von ca. 6 bis 14 Jahren und wanderten zu Fuß los über die Alpen hinweg in die Bodenseeregion sowie Richtung Ravensburg. Die Wege waren lang und beschwerlich. Für einen Teil der Kinder führte er über Bergpässe wie den Arlberg, die im März noch von Schnee bedeckt waren und die sie mit schlechtem Schuhwerk und dürftigster Kleidung zu überwinden hatten.

        Auf Regelrechte Kindersklavenmärkte wie jenen in Ravensburg oder Kempten, wurden die Kinder dann an Bauern verkauft. Die Kindermärkte fanden meist um Josephi (19. März) statt. Manche hatten Glück mit dem Bauern, andere aber gerieten auch Schindern in die Hände. Sie mussten arbeiten wie die Erwachsenen, sich oft schinden und rackern von früh bis spät.

        „Doppeltes Häs“ (zweifache Ausstattung mit Kleidung) und ein paar Gulden waren der ganze Lohn, wenn sie im Herbst - an Martini (11. November) - wieder Heim kamen.

        Es wird geschätzt, dass damals jährlich fünf- bis sechstausend Kinder auf Höfen in der Fremde als Hütejungen, Mägde oder als Knechte arbeiteten.

        * Quelle: „Bündner Zeitung“ vom 19. Februar 1837


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