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Wichtige Begriffe

    Anerbenrecht
    Als Anerbenrecht bezeichnet man das Vererben eines Hofes an nur einen Erben – z.B. den ältesten oder jüngsten Sohn – damit er geschlossen erhalten bleibt. Das Erbrecht hatte zu Zeiten des Schwabengehens auch Auswirkungen auf die Familienplanung: Heiraten durfte nur, wer Besitz hatte.

    Blutfreitag
    Seit über 950 Jahren beherbergt die Abtei Weingarten eine Heilig Blut Reliquie, der zu Ehren jedes Jahr am Tag nach Christi Himmelfahrt, dem sog. Blutfreitag, in Weingarten eine Reiterprozession (mittlerweile die größte Europas) abgehalten wird. Für die Schwabenkinder war der Blutfreitag traditionell ein freier Tag, den sie im Weingarten verbringen konnten. Dort hatten sie auch Gelegenheit Freunde oder Geschwister wieder zu sehen, die auf anderen Höfen untergekommen waren.

    Christenlehre
    Am Sonntag, dem einzigen arbeitsfreien Tag der Woche, stand für die Schwabenkinder der Besuch der katholischen Sonntagsmesse auf dem Programm. Nach dem Gottesdienst sollten die Kinder im Pfarrhaus an der so- genannten Christenlehre teilnehmen, einer Unterweisung durch den Pfarrer, um ein Mindestmaß an Bildung erhalten.

    Dispens
    Die Dispens ist eine zeitlich begrenzte Befreiung von der Schulpflicht. Für Kinder aus armen Verhältnissen war sie in Österreich relativ leicht zu bekommen.

    Gesinde
    Als Gesinde bezeichnet man alle Mitarbeiter eines Bauernhofes außer der Bauernfamilie, also Knechte und Mägde.

    Hütekindermarkt
    Hütekindermärkte etablierten sich in mehreren deutschen Städten. Besonders bekannt sind der Hütekindermarkt in Ravensburg und später auch in Friedrichshafen. Hier trafen die Schwabenkinder auf die oberschwäbischen Bauern und handelten mit ihnen den Lohn für die kommenden Sommer- monate aus. Erfahrenere Kinder markierten Bauern mit denen sie schlechte Erfahrungen gemacht hatten mit einem Kreidestrich auf dem Rücken, um andere Kinder zu warnen. Besiegelt wurde die Vereinbarung oft mit einem gemeinsamen Essen.

    Hütekinderverein
    1891 wurde der „Verein für Hütekinder und jugendliche Arbeiter für Tirol und Vorarlberg“ von Pfarrer Venerand Schöpf und dem Pettneuer Gemeindevorsteher Franz Josef Geiger gegründet. Er hatte zum Ziel die Anreise der Kinder zu erleichtern, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und dafür zu sorgen, dass Lohnzusagen eingehalten wurden.

    Realteilung
    Die Realteilung ist das Gegen- stück zum Anerbenrecht: Der Hof wird zu gleichen Teilen an alle Kinder weitervererbt. Das Ackerland wird in viele kleine Teile zerteilt, zusätzlich werden auch immer mehr Grenzstreifen und Zufahrtswege nötig, die das Land weiter verkleinern. In Österreich war dieses Erbrecht mitverantwortlich für die Armut vieler Bauernfamilien.

    Schulpflicht
    In Österreich wurde die Schulpflicht schon 1774 eingeführt. Allerdings war es für Kinder aus bedürftigen Familien recht einfach davon befreit zu werden. Für die Schwabenkinder war auch die Regelung der Schulpflicht in Württemberg interessant. Dort bestand ab 1836 eine tägliche Schulpflicht für württembergische Kinder, die 1878 auf alle deutschen Kinder, die sich in Württemberg aufhielten, ausgeweitet wurde. Ausländische Kinder waren davon allerdings ausgenommen und gewannen so an wirtschaftlichem Wert.

    Verdingung (verdingen)
    Verdingung bezeichnete den Abschluss eines Arbeitsvertrages. Das galt nicht nur für einen Abschluss zwischen Kindern und Bauern, sondern ganz allgemein, also auch zwischen Bauern und Knechten oder Mägden.

    Sommerschule/Winterschule
    Durch das Schwabengehen im Sommer waren viele Kinder von der Schulpflicht befreit und besuchten die Schule nur in den Wintermonaten, wenn sie zu Hause bei ihren Familien waren. Die „Sommerschule“ fiel also aus und viele Kinder besuchten nach Abzug der Sonn- und Feiertage nur drei Monate pro Jahr die „Winterschule“.

    Zehrpfennig
    Oft konnten die Familien der Schwabenkinder den Kindern nicht genug Wegzehrung für den weiten Weg mitgeben, deshalb durften sich die Kinder vor ihrer Abreise unter der Bevölkerung den sog. Zehrpfennig erbetteln. Aber auch das wenige Geld, das sie so bekamen, reichte oft nicht bis zum Ende des Weges.


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